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Der Lebenslauf der Stadtbahnwagen N6S und N8S-Nf

Bild vom Triebwagen 361 bei der Auslieferung

Inhalt

Es steht schlecht um die Straßenbahn

Die Beschaffung

Die Entwicklung der Stadtbahnwagen M/N

Einsatz der neuen Fahrzeuge

Gastspiel in München

Aus N6S wird N8S-Nf

Ausblick

Es steht schlecht um die Straßenbahn

Es ist Montag, der 25. Oktober 1976. Am Plärrer herscht rege Betriebsamkeit. Zahlreiche Straßenbahnlinien halten zum ein- und Aussteigen. Der Plärrerautomat steht noch und die Straßenbahngleise gehen in nahezu jede Richtung: Weißer Turm, Hauptbahnhof, Kohlenhof, Schlachthof, Hallertor und natürlich nach Fürth. Nichts läßt bei diesem Anblick darauf vermuten, dass sich die Zukunft der Straßenbahn auf dem Abstellgleis befindet. Doch es ist so. Vor elf Jahren wurde der Bau der U-Bahn beschlossen. Seit 1972 ebnet sie sich den Weg durch Nürnbergs Untergrund von der Bauernfeindstraße aus in Richtung Innenstadt. Im Jahr 1982 wird die U-Bahn bis nach Fürth fahren und die Hauptlinie 1 ersetzen. Bis Mitte der 1990er Jahre - so schätzt man - wird es dann auch in Nürnberg keine Straßenbahn mehr geben. Daher wurde vor zehn Jahren mit dem Gelenktriebwagen 356 die letzte Straßenbahn an die VAG abgeliefert.

Aus der Steinbühler Straße nähert sich Triebwagen 301 mit Fahrziel Hauptwerkstatt Muggenhof. Er hat einen Beiwagen im Schlepp, der eine für Nürnberger Straßenbahnen untypisch weiß/rote Lackierung aufweist. Sollte dies der erste Wagen mit POP-Werbung sein? Beim näherkommen fällt auf, dass der Beiwagen wesentlich länger als normal ist und zudem zwei Dachstromabnehmer besitzt. Überhalb des ersten Drehgestells steht auf der linken Seite mit roter Schrift: Nürnberg-Fürther Straßenbahn. Es besteht nun kein Zweifel mehr. Es handelt sich um den fabrikneuen Stadtbahnwagen N6S mit der Nummer 361. In den nächsten vier Monaten werden elf weitere neue Wagen vom MAN-Werk an der Frankenstraße endmontiert und an die VAG übergeben. Doch wie kam es zur Beschaffung von Neufahrzeugen, wo doch das Ende der Straßenbahn bereits eingeläutet ist?

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Die Beschaffung

Als Mitte der 1970 Jahre der U-Bahnbau ins Stocken geriet, war klar, dass es wohl noch bis zum Jahrtausendwechsel dauern würde, bis die Straßenbahn komplett ersetzt wird. Da die Lebensdauer der jüngsten Triebwagen aber nicht auf 40 Jahre und mehr eingeschätzt wurde, war also trotz den Einstellungsplänen ein Bedarf an Neufahrzeugen vorhanden. Da ein Nachbau der 300er Gelenkwagen nicht mehr möglich war - Die MAN besaß keine Fertigungsmaschinen mehr für diesen Typ - bestellte die VAG im Jahr 1975 zwölf Exemplare vom Stadtbahnwagen N6S. Ein Vorteil dabei war, das dieser Wagen nicht extra entwickelt werden mußte, sondern sozusagen von "der Stange" gekauft werden konnte.

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Die Entwicklung der Stadtbahnwagen M/N

Für die Verkehrsbetriebe der Städte Bielefeld, Bochum/Gelsenkirchen, Essen und Mülheim an der Ruhr wurde Anfang der 1970er Jahre ein einheitlicher Straßenbahntyp entwickelt. Diese wurden schließlich Stadtbahnwagen M bezeichnet. Das Kürzel "M" steht dabei für Meterspur, bestimmt also die Spurweite. Zur näheren Bezeichnung der Bauart werden folgende Kürzel angegeben:

1. Stelle: Spurweite.
2. Stelle: Anzahl der Achsen
3. Stelle: Art der elektrischen Steuerung

Beispiel: Die Essener Verkehrsberiebe bestellten 1978 dreiteilige Wagen (=acht Achsen) mit Choppersteuerung. Die Bezeichnung hierfür: M8C
Da die Spurbreite in Nürnberg 1435 mm (also Normalspur) beträgt, wurden die Wagen als Stadtbahnwagen N bezeichnet. Da sie aus zwei Wagenteilen bestehen würden, sollten sie sechs Achsen erhalten. Als Steuerung war eine Schützensteuerung vorgesehen. Die Bezeichnung der Nürnberger Wagen lautete daher
N6S.

Der Stadtbahnwagen M/N wurde als Zweirichtungswagen entwickelt. Er besitzt also beidseitig Türeinrichtungen und zwei Führerstände. Dies wurde als Vorteil gesehen, da durch den U-Bahnbau mit mehreren Stumpfstellen zu rechnen war. Letztendlich wurde diese elegante Wendemöglichkeit aber nur selten genutzt.

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Einsatz der neuen Fahrzeuge

Anfang 1977 begann der Linieneinsatz der neuen Wagen. Da noch während der Beschaffungsphase zwischenzeitlich das Linienkonzept geändert wurde, konnten nicht alle N-Wagen wie geplant auf den weniger ausgelasteten Nebenlinien eingesetzt werden. Nach diesem neuem Konzept wurden die Nebenlinien nämlich deutlich reduziert. Für einen Einsatz auf den Hauptlinien waren die Wagen aufgrund der geringeren Beförderungskapazität nicht geeignet. Nach der Einstellung der Straßenbahn in Fürth blieb nur noch die Linie 6 zwischen Westfriedhof und Gibitzenhof als Einsatzgebiet. Hierfür wurden aber nur sechs Züge benötigt. Die anderen sechs Fahrzeuge konnten mit Sonderfahrten ebenfalls nicht ausgelastet werden. So konnten die Wagen von Anfang an Ihre geplante Laufleistung bei weitem nicht erreichen.

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Gastspiel in München

Da im Jahr 1985 die Stadt München aus politischen Gründen ihren Bürgern moderne Straßenbahnzüge im Einsatz präsentiern wollte, wurden zwei N6S dorthin überführt. Es handelte sich um die Wagennummern 363 und 365. Nach einer technischen Anpassung wurden die beiden Fahrzeuge für ca. 2½ Monate auf den Linien 18 und 27 eingesetzt. Anschließend gelangeten Sie 1986 wieder nach Nürnberg zurück.

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Aus N6S wird N8S-Nf

Nachdem sich bereits Anfang der 1990er Jahre der Beschluß von 1994 zur langfristigen Erhaltung der Straßenbahn erahnen ließ, stand der Straßenbahnwagenpark plötzlich wieder vor einer Modernisierung. Da mit dem Einsatz von neuen Niederflurfahrzeugen nicht vor 1996 zu rechnen war, wurden die N6S umgebaut:

Die Wagen wurden in der Mitte am Gelenk getrennt. Eine Drehgestell blieb an einem der beiden Wagenteile, am anderen wurde ein viertes Drehgestell montiert. Anschließend wurde ein neues drittes Mittelteil mit Niederflueinstieg eingefügt. Die neue Bezeichnung lautete daher N8S-Nf (Normalspur, 8 Achsen, Schützensteuerung, Niederflurmittelteil).

Der Umbau erfolgte zwischen 1992 und 1993. Während dieser Zeit waren auf der Linie 6 überwiegend wieder die alten 200er Triebwagen mit 1500er Beiwagen im Einsatz. Am 15.09.1992 war es dann soweit. Triebwagen 367 wurde als erstes umgebautes Fahrzeug auf seiner "Stammlinie" 6 eingesetzt. Das Niederflurzeitalter hatte auch bei der Straßenbahn Einzug gehalten. Bald zeigte sich, dass die verlängerten Wagen aufgrund der erhöhten Beförderungskapazität auch auf den anderen Linien eingesetzt werden können. Heute verkehren die Wagen auf allen Linien, allerdings bevorzugt auf der Linie 5,7 und 8.

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Ausblick

Die Stadtbahnwagen N6/N8 sind nun beinahe 30 Jahre im Einsatz und in die Jahre gekommen. Sicherlich gehören sie nicht zum alten Eisen, aber der zunehmende Ersatzteilmangel macht einen wirtschaftlichen Betrieb immer schwieriger. Sobald der Wagenpark wieder um sechs Neufahrzeuge erweitert wird (Die "Variobahn" wird für das Jahr 2007 erwartet) werden die Wagen zunehmend überflüssig. Spätestens nach Einstellung des Streckenastes Hauptbahnhof - Thon (Linie 9) wird wohl auch das endgültige Aus für diese Wagen kommen. Zehn Wagen sollen in Nürnbergs Partnerstadt Krakau ihren Dienst versehen. Nachdem Triebwagen 366 fast ein Jahr lang abgestellt war, wurde er als erster am 20.07.2006 nach Krakau verladen. Wagen 364 und Wagen 367 sind ihm bald darauf gefolgt.

 
     
   
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Letzte Änderung dieser Seite: 06.08.2006